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Vorsicht IGeL

Nicht was Sie denken: jene putzigen kleinen Stachelkugeln die jetzt wieder ihre Winterquartiere verlassen, sondern die Individuellen Gesundheitsleistungen. Also die Leistungen, die Ärzte auf Privatrezept verordnen. Böse Zungen sagen dazu: Irgendwie Geld einbringende Leistungen. Doch ist dieser Spott berechtigt? Seit einigen Jahren beobachten wir eine deutliche Zunahme von Untersuchungen und Therapien auf Privatrechnung, insbesondere manche Fachärzte folgen diesem Trend. Nicht immer, weil sie diese Maßnahmen für sinnvoll erachten, sondern um sich einen lukrativen Nebenverdienst zu erschließen. Zugegeben die Umsätze in den meisten Praxen sind zurückgegangen, doch am Hungertuch werden unsere ärztlichen Kollegen sicher nicht leiden. Schlimm nur, das die Patienten so den Eindruck gewinnen, die Leistungen seiner Kasse seien unzureichend. Selbst übliche Diagnoseverfahren, wie zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen werden manchmal überteuert privat abgerechnet, obwohl sie zu den Kassenleistungen gehören. Sie sollen jedoch wissen: was eine gesetzliche Leistung ist darf nicht als IGeL abgerechnet werden. Sie als Patient wissen das oft nicht und k¨nnen sich daher nicht dagegen wehren. Bei entsprechenden Indikationen zum Beispiel familiärer Vorbelastung oder einem auffälligen Befund werden anerkannte Diagnoseverfahren von den Kassen übernommen. Doch wie kann ich mich als Patient davor schützen? Zunächst durch Zurückhaltung. In manchen Praxen wird man aufgefordert schon vor jeder Beratung eine Blanko-Erklärung abzugeben, dass man Maßnahmen außerhalb der Kassenleistung privat begleichen wird. Davor kann man nur warnen. Ein Arzt muss jedes IGeL Angebot und um ein solches handelt es sich, konkret mit dem Patienten besprechen, ihn über die Kosten und Risiken aufklären. Dann muss ein schriftlicher Vertrag erfolgen. Skepsis ist angebracht, wenn ein Arzt Druck ausübt oder gar Angst erzeugt. Und wie finde ich als unwissender Patient heraus, ob ein IGeL Angebot für mich sinnvoll ist? Die beste Basis wäre das Vertrauen, das ein Arzt sich über die Jahre erwirbt. Doch daran mangelt es heute oft. Durch die Praktiken einzelner Ärzte hat leider das Vertrauensverhältnis ganz allgemein gelitten. Wer also Zweifel hegt, kann bei seiner Krankenkasse nachfragen, ob eine bestimmte Anwendung tatsächlich nicht bezahlt wird und weshalb. Außerdem stehen ihnen als unabhängige und neutrale Einrichtungen die Patientenberatungsstellen kostenlos zur Verfügung. Mittlerweile gibt es in jedem Bundesland mindestens eine solche Einrichtung.

(Entnommen aus Schrott und Korn 09/2007)

Ihr Andreas Zenner